Die Entdeckung der Langsamkeit
Warum es sinnvoll ist, die Vorzüge des höheren Lebensalter zu entdecken

Der Jungbrunnen im Sonnenraum
Wir haben es selbst in der Hand, den Jungbrunnen, die Kraftquelle aus der Kinder- und Jugendzeit und aus der geistigen Welt, in dem Lebenszimmer "Sonnenraum" (ab 63 Lebensjahren) zu finden. Möglich ist das, wenn aus den Ressourcen zwischen 1 - 21 Lebensjahren geschöpft wird.

Wie ein Kind im ersten Jahrsiebt die Umgebung mit Neugier betrachtet, nachahmt und mit einer Offenheit staunt und spielerisch lernt, können wir diese Qualitäten aus der Kindheit im Sonnen - Alter wieder nutzen. Das selbstvergessene Staunen und die tiefe Liebe, die ein Kind der Natur und allem entgegenbringt, hat etwas Meditatives und darf im Sonnenraum wieder gelebt werden.

Im zweiten Jahrsiebt entsteht ein grosses Interesse für das Lernen. Im Sonnenraum ist es möglich, Vertiefungen in einem neuen Themengebiet zu suchen und zu finden. Offen und neugierig im Leben zu bleiben ist beim Lernen sehr wichtig, damit wir neue Lebenswege bestreiten können, die wir bisher nicht berücksichtigt haben. Sobald wir in einer Sache Meister geworden sind, dürfen wir in einer anderen Sache wieder Schüler werden.

Aus dem Raum der Jugend strömt die Energie für ein neues Freiheitsgefühl. Der ältere "Jugendliche" kann wie im dritten Jahrsiebt, in seiner durchwärmten Sturm und Drangzeit, in neu erwachten Rebellionen für die Welt und für seine Umgebung wachrütteln, die er aus seiner inneren Gewissheit und Weisheit holt. Diese inspirierende Jugendkraft werden wir im Sonnenraum gut gebrauchen können, in der Ideenfindung für die freie Zeit, die vor uns liegt. Wie der Jugendliche im dritten Jahrsiebt, suchen wir im Sonnenraum unsere eigene Wahrheit.

 

Entschleunigung
Mit dem Älterwerden werden uns zunehmend Langsamkeit und Gelassenheit wichtiger. Entschleunigung ist in unserer gegenwärtigen 5. Kulturepoche wesenhaft geworden, in dem es um das Bewusst - Werden unseres Selbst geht. Ein positives Altern ist jedoch nicht selbstverständlich.

In der Übergangphase ins Pensionsalter stehen viele Menschen noch immer tatkräftig im Leben, sind gesund, robust und wirken mit vielen positiven Kräften in das Leben hinein. Der Blick vorwärts zeigt eine Zukunft mit mehr Lebensjahren. Diese Lebensphase nach der Pensionierung, auch schon ein paar Jahre davor, können zur inneren Befreiung werden, sofern wir uns mit der Vergangenheit versöhnt und die Gegenwart bejaht haben.

Wie machen wir das?
Unsere inneren Weisheit - Schätze, die wir uns in all den Jahren erworben haben, lassen uns im Alter vieles gelassener angehen. Die Überprüfung unseres Selbstkonzeptes nach jedem Jahrsiebt, war für unseren Entwicklungsprozess sehr wichtig. Suchen wir mit fünfzig oder sechzig Lebensjahren im Beruf, wie im Privatleben mehrheitlich nach Anerkennung und wollen uns noch immer beweisen, haben wir nicht verstanden, dass ein positives Lebensalter keineswegs davon abhängt, dass mein Positives mit Leistung zu tun hat. Es sind die langjährigen Lebenserfahrungen, die uns Gelassenheit schenken; die Vitalität für unseren Optimismus. Als Kind haben wir immer das Beste aus jeder Situation gemacht.

Im Sonnenraum ist es viel erfreulicher auf das im Leben Erreichte und Geschaffene und auf die gemeisterten Krisen aufschauen zu können. Mit unseren Lebenskrisen haben wir gelernt, wie schwere Ereignisse ganz stark am eigenen Selbst rütteln. Das führte zu einer Art Ich - Erwachen. Schmerzhafte Erlebnisse sind im Leben auf dem Weg der Selbstfindung nicht immer unumgänglich. In der Ungewissheit reift Geistessicherheit, reift Geistesgewissheit, in der sich das Ich neu richten will und nach der Zukunft sich orientiert.

Mit einer Lebens - Rückschau wird uns ermöglicht, auf die vielen Erlebnisse und Begebenheiten uns zu erinnern, gleichzeitig können wir mit den neuen Erkenntnissen einen Blick in die Zukunft richten. Ziele im Leben zu haben bedeutet Hoffnung und Zuversicht, auch im Sonnenraum.
Ein Menschen - Ich braucht Ziele für die eigene Entwicklung, für die eigene Biografie.
Wer vom Ziel nichts weiss, kann den Weg nicht haben, schreibt Christian Morgenstern in einem Gedicht.



Menschen werden auch im Alter zufriedener und erfüllter, wenn sie etwas mehr bewegen als nur sich selbst 
Was braucht ein Mensch im Sonnenraum, um zufrieden mit sich zu sein?
Es liegt in der Natur, dass die körperliche Leistungsfähigkeit bereits in der Lebensmitte ab dem 35. Lebensjahr nachlässt, damit wir frei und in einer anderen Form geistig tätig werden können.
Im Lebensalter zeigt es sich, ob wir uns gut darauf vorbereitet, wie auch gelernt haben, unser Selbstkonzept regelmässig zu überprüfen und zu aktualisieren.

Wir werden empfänglicher für Krankheiten. Gesunde Ernährung, ausreichender Schlaf und körperliche Bewegung können mithelfen, uns vitaler zu fühlen. Auch ein soziales Umfeld trägt zu einer erfüllten Befindlichkeit bei. Geistige Bewegung ist ebenso wichtig, wie die körperliche und wird vielmals von uns unterschätzt. Neue
 Orientierungsfragen können wir für unsere Lebensziele stellen z. B.: Was ist für mich wesentlich und was ist mein Wesen? Es sind Fragen aus dem Zukunfts - Ich. Angelus Silesius schreibt: Mensch werde wesentlich! Denn wenn die Welt vergeht, so fällt der Zufall weg.

Bringen wir uns mehrheitlich mit äusseren Tätigkeiten, wie das Reisen oder mit Konsumieren auf verschiedenster Art in Bewegung - oder, lassen wir uns auch von unserer Umgebung und Umwelt im Herzen bewegen? Jüngere Menschen wollen in eine Zukunft. Das ist für ihre Entwicklung, wo es um das grosse Suchen der eigenen Identität geht, sehr wichtig. Bei manchen erwachsenen Menschen hat man oft den Eindruck, als laufen sie weg von der Gegenwart. Wie kann ich an eine Zukunft mitwirken, die mich in meinem ganzen Dasein erfüllt? - stellt sich als zentrale Frage.

Im höheren Lebensalter, im Sonnenraum, dürfen wir an der Zukunft unserer Familien, der Gemeinden, der Tiere und der Weltbiografie mitwirken und mitgestalten, in dem wir im ersten Schritt aktiv mit wachen und ernsthaften Gedanken Anteil nehmen. Das gibt uns ein Gefühl von Selbstwirksam zu sein, gleichzeitig erleben wir ein Verbunden - Sein und eine Sinnhaftigkeit unseres Selbst. Wir können das eigene Leben als Schulungsweg betrachten und voneinander lernen.
Ich erwache mit meiner Biografie an meinem Gegenüber und andersrum; das Ich erwacht am Du. Verstehen wir das immer mehr und nehmen es bewusst an uns wahr, werden wir zunehmend fähiger und motivierter, uns mit den (Schicksals) - Gemeinschaften, mit dem Weltenplan zu verbinden.