Was ist Biografiearbeit?

Der persönliche Lebenslauf – die Biografie – ist das, was jeder Mensch als sein ganz Eigenes besitzt. Vielleicht ist die Biografie sogar das Kostbarste, was der Mensch auf seinem Lebensweg mit sich trägt.

 

Unsere Biografie befindet sich ständig in der Spannung zwischen unserer Innenwelt und unseren realen Lebensumständen. In der Biografiearbeit kommen wir mit der eigentlichen Innenwelt in Berührung und reflektieren die äusseren Anforderungen.

 

In der Biografiearbeit werden wir angeregt, selbst aktiv zu werden, aus der Ohnmacht und Passivität herauszukommen, die «Opfer-Rolle» zu verlassen und unser Leben selbstbestimmt in die Hand zu nehmen.

 

Biografiearbeit eignet sich für eine grosse Bandbreite von Personengruppen und Settings. Sie kann mit Menschen jeden Alters und sowohl mit Einzelpersonen als auch mit Gruppen durchgeführt werden. Inzwischen hat sie nicht nur in der therapeutischen Arbeit, sondern auch in der Kinder-und Jugendhilfe, in Schulen, im sozialpädagogischen Bereich sowie in der Seniorenbildung ihren festen Platz gefunden.

 

 

Die Jahrsiebte

 

In der Biografiearbeit wird das Leben anhand von 7-Jahres-Perioden (Jahrsiebte) betrachtet:

  • Geburt bis 7. Lebensjahr: Entwicklung des Menschen von der frühen Kindheit bis zum Zahnwechsel

  • 7. – 14. Lebensjahr: Spätere Kindheit und frühere Jugendzeit

  • 14. – 21. Lebensjahr: Spätere Jugendzeit und Erwachsenwerden

  • 21. – 28. Lebensjahr: Junges Erwachsenenalter

  • 28. – 35. Lebensjahr: Erwachsenenalter

  • usw.

 

Biografiearbeit erfordert vom Klienten die Fähigkeit zu einer gewissen Distanzierung zu sich selbst. Der ideale Zeitpunkt für den Start der Biografiearbeit ist daher das fünfte Jahrsiebt, also zwischen dem 28. und 35. Lebensjahr. Biografiearbeit kann aber in jedem Lebensalter nützliche Impulse geben.

 

 

Ziele der Biografiearbeit

 

Die Biografiearbeit hat ein über die aktuelle Befindlichkeitsfrage hinausgehendes Ziel. Sie fragt nach dem «höheren Ich»:

  • Wer bin ich meinen Möglichkeiten nach?

  • Welche Kraftquellen enthält mein Lebenslauf? (Ressourcen, Fähigkeiten, Interessen, Begeisterung)

  • Welche Einschränkungen unterliegen meinem Lebenslauf? (Widerstände)

  • Wie kann ich in der Zukunft beides aktiv in die Hand nehmen?

 

In der Biografiearbeit kann jedes Jahrsiebt mit einer künstlerischen Arbeit mit Ton oder Malen abgerundet werden. Durch diese kreative Arbeit werden innere Erlebnisse sichtbar gemacht. Sie schafft zudem Distanz zu sich selbst, die für die Reflexion der eigenen Biografie hilfreich ist.

 

Geschichtlicher Hintergrund

Bereits die alten Griechen beschäftigten sich mit Biografien, und auch die Römer. Im Mittelalter hingegen gab es kein ausdrückliches Interesse für das «Werden» des Menschen.

Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie ( von altgriechisch ánthrōpos „Mensch“ und sophίa „Weisheit“), hat sich mit der Entwicklung des Menschen, in ihren wechselseitigen Verhältnissen zueinander, mit dem physisch - seelisch - geistigen Menschenbild fundamental und umfassend befasst. 

Die Biografiearbeit wird heute weltweit durchgeführt. Der Impuls ging von Prof. B. Lievegoed aus den Niederlanden aus, der vor 30 Jahren auf die Biografie-Gesetzmässigkeiten aufmerksam machte. 1979 entstanden Biografie-Seminare in Holland, England, Deutschland und in den USA.

 

Ebenfalls massgebende Impulse kommen von Frau Dr. Gudrun Burkhard aus Brasilien. Frau Burkhard hat zahlreiche Bücher über die Biografiearbeit geschrieben und arbeitete als Dozentin und Biografiearbeiterin einige Jahre in der Schweiz und ist heute immer noch als Beraterin und Dozentin in Brasilien tätig.

 

Weitere Informationen

 

Weitere Informationen zur Biografiearbeit finden Sie auf der Website des BBAS Berufsverband Biographiarbeit Schweiz und in der Broschüre «Was ist Biografiearbeit?» der Berufsvereinigung Biografiearbeit auf Grundlage der Anthroposophie e.V. (Deutschland).

Biografieberatung Gabriela Mathys

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